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Kategorie: Kassel (kreisfreie Stadt)

Die Lagertour in Kassel – Es geht auch anders

Charlotte Hankemeier, 29.03.2017: Zu viert – zwei aus dem Lagertourteam und zwei Dolmetscher – verschlägt es uns Ende März nach Kassel. Uns erwartet hier ein sehr ungewöhnlicher Tag, verglichen mit dem, was wir auf unserer Lagertour sonst oft erleben. Doch fangen wir von vorne an.

Zunächst treffen wir ein langjährig aktives Mitglied des Flüchtlingsrates. Im Gespräch mit dem außerdem sehr umtriebigen Akteur innerhalb der Kasseler Lokalpolitik erfahren wir viel zu den Hintergründen der Unterbringungspolitik der Stadt. Vor allem bezüglich der Gemeinschaftsunterkunft in der Bunsenstraße, die wir noch besuchen werden, kann er die Entwicklung von Protesten in der Bevölkerung gegen Wohncontainer bis zur heutigen Unterkunft genau nachzeichnen. Außerdem wird uns berichtet, dass in Kassel insgesamt kleinere Gemeinschaftsunterkünfte mit bis zu dreißig Bewohner*innen gegenüber größeren Unterbringungen überwiegen.

Das Kasseler Modell – aus Unterbringen wird Wohnen

Nach diesem Gespräch erwarten uns die Besuche in den beiden Unterkünften, die uns auf ihre Art jeweils als sehr positiv beschrieben wurden. Wir freuen uns darauf, uns ein eigenes Bild machen zu können. Zunächst geht es in die Bunsenstraße, nur ein paar Autominuten von unserem Treffpunkt entfernt. Hier hat die größte Wohnungsbaugesellschaft Kassels, die GWG, eine Unterkunft nach dem sogenannten Kasseler Modell errichtet. Was heute eine Unterkunft ist, kann später unkompliziert zu kostengünstigen Mietwohnung umgerüstet werden.

Wir werden erwartet: Bei unserer Ankunft hat sich bereits eine große Delegation versammelt. Zusätzlich zu einigen Kindern aus der Unterkunft sind der Leiter und die Koordinatorin der Unterkunft, die Projektkoordinatorin des angegliederten Nachbarschaftsvereins, jeweils eine Mitarbeiterin der Öffentlichkeitsarbeit und der Geschäftsführung der GWG, sowie der Geschäftsführer der GWG, Herr Ley, anwesend.

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Verbindende Architektur – Innenhof und Laubengänge zwischen den Wohnungen.

Nach einer kurzen Vorstellungsrunde beginnt der Geschäftsführer mit seiner Präsentation des Projekts. Dabei fängt er mit Erzählungen aus der Anfangsphase des Projekts an, in der Mitarbeiter*innen der GWG durch Deutschland fuhren, um sich andere Unterkünfte anzuschauen und daraus für das eigene Projekt zu lernen – quasi auch eine „Lagertour“, nur mit etwas anderen Zielen als bei uns. 90 % dessen, was sie gesehen hätten, seien Negativbeispiele gewesen, berichtet Herr Ley. In einem Fall sollten Häuser durch den Anstrich wie eine Containerunterkunft erscheinen – es sollte also gar nicht ansprechend aussehen. Für die Unterkunft in der Bunsenstraße hingegen besteht das Ziel, dass sich die Bewohner*innen wohl fühlen.

Flexibilität von vorneherein

Gemeinsam mit fünf Architekturbüros wurde schließlich Ende 2015 mit der Planung der Neubauten begonnen. Ziel war es dabei, ansprechenden Wohnraum für Geflüchtete zu schaffen, aber auch dem Mangel an bezahlbarem Wohnraum entgegen zu wirken. Das Besondere an diesem Projekt ist vor allem die bauliche Qualität der neugebauten Unterkunft und seine nachhaltige Nutzbarkeit. Dort, wo jetzt zwei bis acht Asylbewerber*innen in einer Wohnung leben, sollen später jeweils halb so viele Bewohner*innen pro Wohneinheit wohnen und dabei eine Miete im Rahmen der Mietobergrenze zahlen. Damit diese Umnutzung möglich und auch kostengünstig ist, wurden einige Aspekte bei der Planung berücksichtigt: Für Unterkünfte für Geflüchtete gelten geringere bauliche Standards, als sonst im Wohnungsbau bestehen. Dies betrifft beispielsweise die Wärme- und Schalldämmung. In der Bunsenstraße wurden die herkömmlichen Standards erfüllt. Darüber hinaus befinden sich in allen Trennwänden jeweils sämtliche Leitungen, so dass eine räumliche Umgestaltung der Etagen, beispielsweise aus einer großen Wohnung in Einzelapartments, einfach möglich ist.

Zur Zeit unseres Besuches wohnen 135 Personen in der Unterkunft an der Bunsenstraße, geeignet wäre sie für bis zu 182 Menschen. Pro Bewohner*in stehen derzeit insgesamt neun Quadratmeter individuelle Wohnfläche zur Verfügung, womit die vom Flüchtlingsrat und der Liga der freien Wohlfahrtspflege geforderten Mindeststandards erfüllt werden. Allerdings wohnen derzeit bis zu vier Personen in einem Zimmer. Nach der vollständigen Umnutzung könnten dann insgesamt 90 Personen in Ein- bis Vier-Personen-Wohnungen leben.

Bei großen Unterkünften für Geflüchtete lassen sich häufig negative Effekte wie die Isolation der Bewohner*innen sowie Ressentiments ihnen gegenüber beobachten. Entsprechendes haben wir während unseres Besuches in der Bunsenstraße nicht wahrgenommen. Eine möglichst baldige teilweise Umnutzung in Mietwohnungen, sobald es die benötigten Kapazitäten zulassen, wäre dennoch begrüßenswert. Die daraus folgende heterogene Zusammensetzung der Bewohner*innen hätte wahrscheinlich eine integrierende Wirkung.

Städte sollten die Wohnungsbaugesellschaften stärker in die Pflicht nehmen“

Wir können die Begeisterung, mit der uns das Projekt vorgestellt wird, nachvollziehen. Erstmalig während unserer Lagertour lernen wir eine Unterkunft kennen, die gleichzeitig mit der Schaffung angenehmen Wohnraums für Geflüchtete auch das Problem des Mangels an bezahlbaren Wohnraum angeht – ein Problem welches wir oft beobachtet haben an den verschiedenen Orten, die wir besucht haben. So ist auch eine unserer ersten Fragen, warum denn nicht viel mehr Wohnungsbaugesellschaften derartige Projekte umsetzen – vor allem unter dem Aspekt, dass es für die GWG, als wirtschaftlich handelndes Unternehmen, anscheinend vom ersten Tag an kostendeckend ist. Hier wird uns gesagt, es liege daran, dass sich andere Wohnungsbaugesellschaften nicht zuständig fühlten für die Unterbringung von Geflüchteten. Der Geschäftsführer der GWG fordert diesbezüglich: „Städte sollten die Wohnungsbaugesellschaften stärker in die Pflicht nehmen“.

Mehr als Wohnen

Die GWG interessiert sich nicht nur für den sichtbaren Teil der Unterkunft, sondern hat das Projekt in die drei Bausteine Wohnen, Integration und Arbeit eingeteilt. Die beiden letztgenannten Bausteine bestehen aus Konzepten zur Betreuung der Bewohner*innen. Eine ausreichende Betreuung ist auch aus finanziellen Gründen im Interesse der GWG, wie der Geschäftsführer erklärt: Wenn sich die Bewohner*innen wohl fühlten, führe dies zu niedrigeren Instandhaltungskosten. Entsprechende Erfahrungen wurden auch in anderen Wohnhäusern gemacht. Statt, wie sonst üblich in Kassel, die Betreuung der Bewohner*innen der Caritas zu überlassen, hat die GWG ihren eigenen Nachbarschaftsverein Piano e.V. damit beauftragt. Dessen Stärke liege vor allem in der Erfahrung in der Nachbarschaftsarbeit und der Vernetzung im Stadtteil. Piano e.V. bekommt zwar Geld von der Stadt Kassel für die Betreuung der Asylbewerber*innen, die GWG steuert aber noch Geld hinzu. Hierdurch wird ein Betreuungsschlüssel von 1 : 60 ermöglicht. „Durch das Beratungs- und Betreuungsentgeld der Stadt ist eine kostendeckende Betreuung in unserem Sinne nicht möglich“, betont der Geschäftsführer der GWG. „Eine Erhöhung wäre wünschenswert“, so Herr Ley weiter. Zusätzlich zu der einen Sozialarbeiter*innen-Stelle pro 60 Bewohner*innen sind in der Unterkunft europäische Freiwilligendienstleistende sowie die ehrenamtlichen Alltagsbegleiter*innen tätig. Letztere werden von Piano e.V. koordiniert und unterstützen in einem Tandemsystem jeweils eine geflüchtete Person, beispielsweise bei der Suche nach einer Wohnung nach der Anerkennung im Asylverfahren.

Auch um die Integration der Bewohner*innen in den Arbeitsmarkt wird sich hier gekümmert. Ein noch in der Gründungsphase befindlicher Verein namens Jeder für Jeden soll die Vernetzung zwischen Geflüchteten und Akteur*innen in Wirtschaft und Politik vorantreiben sowie zur Akquise von Praktikums-, Ausbildungs- und Arbeitsplätzen für Geflüchtete beitragen. Stolz wird uns berichtet, dass bereits im Mai 2017 voraussichtlich alle der zuvor als „vermittelbar“ eingestuften Bewohner*innen der Bunsenstraße – insgesamt 23 Personen – ein Praktikum, eine Ausbildung oder einen Job beginnen werden.

Ein Blick in die Wohnungen

 

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Wohnzimmer mit eigener Sofagarnitur der Bewohner*innen.

Während wir uns die Präsentation anhören, erkunden die beiden Dolmetscher bereits die Unterkunft und kommen mit den Bewohner*innen ins Gespräch. Dabei bekommen sie fast ausnahmslos positive Rückmeldungen. Einer von beiden schildert im Nachhinein verwundert, wie er die gesamte Frageliste durchgegangen ist und durchweg positive Antworten erhielt. Die Bewohner*innen hätten nicht gesagt, hier sei es besser als in anderen Unterkünften, sondern „hier ist es gut“. Der Zweite von beiden sprach mit vier Familien, von denen drei sehr zufrieden waren, eine sich jedoch vor allem über zu wenig Platz beklagte.

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Schlafzimmer mit Matratzen auf dem Boden.
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Einer der beiden Gemeinschaftsräume in einem Querriegel zwischen den Häusern.

Auch wir werfen am Ende noch einen kurzen Blick in die Wohnungen und auf das Gelände. Dabei fällt sofort auf, wie sehr es sich hier um nahezu übliche Wohnhäuser handelt. Die insgesamt fünf Häuser haben jeweils drei Stockwerke. Es gibt zwei Querriegel zwischen den Häusern, die als Gemeinschaftsräume genutzt werden können. In den Innenhöfen sind Pflanzen und Spielmöglichkeiten. Durch die Laubengänge, die die Wohnungen verbinden, und die Innenhöfe lädt die Architektur zum Kontakt zwischen den Nachbar*innen ein. Wir erfahren, dass die Bewohner*innen sich gegenseitig gerne in den Wohnungen besuchen. Die Gemeinschaftsräume können für Feiern oder Ähnliches gebucht werden und dann ohne anwesendes Personal genutzt werden, wie uns der Leiter der Unterkunft berichtet. Darüber hinaus seien sie bisher leider nur während der Anwesenheit des Personals geöffnet.

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Ein Blick in eines der modernen Bäder.
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Die hier übliche Küchenzeile in einer der Wohnungen.

Die jeweiligen Wohneinheiten werden meist von einzelnen Familien bewohnt. Sie leben dort beengter, aber in ihrem privaten Bereich. Die Bewohner*innen präsentieren uns Teile der persönlichen Ausstattung, die sie bei Bezug der Wohnung vorgefunden haben: ein Metallbett mit teils bereits nachgebenden Gitterlattenrosten, eine dünne Matratze, ein Schrank sowie ein kleines Set an Küchenausstattung. Um den Räumen trotz der eher spärlichen Ausstattung dennoch Gemütlichkeit zu verleihen, haben sich die Bewohner*innen, deren Wohnungen wir besucht haben, Sofas und Teppiche gekauft oder vom Sperrmüll besorgt.

Insgesamt kann das Kasseler Modell als Beispiel dafür dienen, dass es möglich ist eine Unterbringung für Geflüchtete zu schaffen, die zugleich finanzierbar und zufriedenstellend für die Bewohner*innen ist. Überdies wirkt es dem starken Mangel an sozialem Wohnungsbau entgegen. Es wäre wünschenswert, würden sich auch andere Städte und Gemeinden hieran ein Beispiel nehmen.

Das Sandershaus – Kultur und Unterbringung zusammen gedacht

 

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Außenansicht vom Sandershaus.

In der Sandershauser Straße ist alles erstmal ganz anders als in der Bunsenstraße. Man könnte es fast als kleinen „Kulturschock“ bezeichnen. Das Wort passt auch deshalb ganz gut, weil sich hier vieles um Kultur dreht. Zahlen sind hier kaum Thema. Auch von einem offiziellen Empfang ist hier nicht viel zu merken. Wir werden von der Person, die für die Realisierung kultureller Projekte angestellt ist, empfangen. Gemeinsam setzen wir uns auf die Sofas in einem der gemütlichen Aufenthaltsräume und reden über das Sandershaus und das Projekt, welches hier gerade in dem ehemaligen Verwaltungsgebäude einer alten Hafer-Kakao-Fabrik entsteht.

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Einer der gemütlichen Aufenthaltsräume im Erdgeschoss.

In der eigenen Projektskizze wird das Sandershaus als neuentstehendes kulturelles Zentrum im Osten Kassels beschrieben. Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund und unterschiedlicher Herkunft sollen zusammengebracht werden und Geflüchtete in der Übergangsphase der Gemeinschaftsunterkunft „auf einen guten Weg“ gebracht werden. Das Ziel sei außerdem, innerhalb der nächsten fünf Jahre ein nachhaltiges Konzept zu entwickeln, welches sich wirtschaftlich trägt. Wir erfahren, dass auch hier die Initiator*innen bereits ähnliche Projekte besucht haben, um aus deren Erfahrungen zu lernen und sich gegebenenfalls etwas abschauen zu können.

Viele Ideen – vier Bausteine

 

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Hier soll das Restaurant im Erdgeschoss entstehen.

Das Konzept macht uns neugierig und wir hören gespannt zu, als uns im Gespräch die vier Bausteine auf den vier Ebenen vorgestellt werden. Ganz oben wohnen in einer ganzen Etage seit Anfang 2017 Geflüchtete. Die offizielle Eröffnung der beiden Etagen darunter ist für Mitte Mai geplant. Die erste Etage soll dann als Hostel genutzt werden. Im Erdgeschoss entsteht ein Restaurant, welches gleichzeitig als Raum für kulturelle Veranstaltungen wie Lesungen fungiert. Außerdem befinden sich im Erdgeschoss zwei Aufenthaltsräume, in denen sich die Menschen der verschiedenen Etagen begegnen können sowie Büros und ein Seminarraum. Im Keller gibt es einen Veranstaltungsraum für weitere kulturelle Veranstaltungen wie Konzerte und Partys, eine Werkstatt und einen Tischtennisraum. Für den Außenbereich besteht gemeinsam mit dem Landschaftsarchitekturfachbereich der Universität Kassel das Vorhaben diesen neu zu gestalten und so besser nutzbar zu machen.

Der neugegründete gemeinnützige Verein Sandershaus e.V. ist für die kulturellen Projekte zuständig. An Ideen dafür wird es hier bestimmt nicht mangeln. Wir hören von einem geplanten Upcycling-Projekt sowie von bereits stattfindenden Tischtennis-Abenden und sonntäglichen Kaffeekränzen.

Bei so viel Angebot kann man sich fast fragen, ob die Bewohner*innen noch zur Ruhe kommen können. Bei der Simulation eines Konzertes vor Einzug der Asylbewerber*innen wurde immerhin festgestellt, dass keine Geräusche in der oberen Etage ankommen. Zugang zu dieser Etage haben nur die Bewohner*innen selber.

Flexible Nutzung auch im Sandershaus

Zur Zeit unseres Besuches sind um die 30 geflüchtete Menschen im Sandershaus untergebracht. Die meisten von ihnen sind alleinreisende Männer, aber auch eine Familie aus Afghanistan gehört dazu. Möglich wäre eine Unterbringung von bis zu 58 Menschen. Auch hier besteht die Möglichkeit der flexiblen Umnutzung. Sollten wieder mehr Unterkunftsplätze gebraucht werden, kann die Hosteletage zur Unterkunft für Geflüchtete umfunktioniert werden. Zugleich gibt es die Möglichkeit, auch die Etage, die derzeit der Unterbringung von Asylbewerber*innen dient, als Hostel zu nutzen.

Die Betreuung übernimmt die Caritas derzeit mit einer 30%-Sozialarbeiter*innen-Stelle, bei voller Belegung wäre es eine halbe Stelle. Auch hier haben die Betreibenden die von der Stadt vorgesehene Betreuung aufgestockt. So wurden im Sandershaus zwei weitere Personen angestellt, die vier Mal die Woche nachmittags einige Stunden anwesend und ansprechbar für die Bewohner*innen sind.

Das Sandershaus liegt im Industriegebiet, entsprechend gibt es leider keine Menschen, die in direkter Nachbarschaft leben. Doch das Wohngebiet des Stadtteils Bettenhausen liegt zumindest in Sichtweite. Bis zur Straßenbahn- oder Bushaltestelle sind es nur ein paar Minuten zu Fuß und von dort schließlich 20 Minuten bis ins Zentrum, wie uns berichtet wird.

Unterwegs auf vier Ebenen

 

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Der Eingang zum Bereich für Frauen und Familien.
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Ein Blick in ein noch unbezogenes Zimmer.
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Die sanitären Anlagen der Unterkunftsetage.

Wir gehen in die oberste Etage. Durch den Teppichboden, der im Flur sowie in den Zimmern liegt, wirkt es hier gemütlich und auch ruhig. Die meisten Menschen sind in ihren Zimmern. Da wir sie nicht stören wollen, gucken wir uns vor allem ein unbewohntes, aber ausgestattetes Zimmer und die gemeinschaftlichen Räume an. Die Etage ist in einen Bereich für Frauen und Familien, für den es einen separaten Schlüssel gibt, und einen für alleinreisende Männer geteilt. Die sanitären Anlagen sind mit Sitz- und Stehtoiletten sowie Duschen ausgestattet. Leider befindet sich das Bad für Frauen gemeinsam mit der einzigen Küche im Wohnbereich für Männer. Letztere ist mit fünf Herden und vier Spülen ausgestattet. Die Küchenutensilien werden auf den Zimmern in den Schränken gelagert, von denen jede Person einen großen und einen kleinen hat. Auch ein Kühlschrank befindet sich in jedem Zimmer. Die persönliche Ausstattung auf den Zimmern erfüllt die vom Flüchtlingsrat und der Liga der freien Wohlfahrtspflege geforderten Standards, allerdings haben die einzelnen Zimmer von zwei bis zu sechs Betten.

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Die Küche für alle.

Mit einer Küche für alle und Zimmern für bis zu sechs Menschen kann es in dieser Etage bei voller Belegung eng werden. Da bleibt zu hoffen, dass die Menschen die vielen Ausweichmöglichkeiten innerhalb des Hauses gerne nutzen werden. Im Keller treffen wir schließlich auf mehrere Bewohner, die gerade Tischtennis spielen. Sie berichten, dass sie sich in der Unterkunft sehr wohl fühlen.

Auch wenn die räumlichen Voraussetzungen mit einer Etage für bis zu 58 Menschen und Zimmern mit bis zu sechs Betten besser sein könnten, so wirkt das Sandershaus auf uns wie ein engagiertes Projekt, bei dem auf kreative Weise versucht wird, eine gute Unterbringung für Geflüchtete zu organisieren. Die Gespräche mit den Bewohner*innen und unsere Eindrücke weisen darauf hin, dass das bisher gut gelingt.

Gedanken auf der Rückfahrt

Während der Rückfahrt lassen wir den Tag gemeinsam Revue passieren. Er lässt uns zwar müde, aber auch positiv überrascht zurück. Wir sind es nicht gewohnt auf so viele zufriedene Bewohner*innen zu treffen. Auch wenn wir bereits einige positive Erfahrungen gemacht haben an den Orten, die wir besucht haben, so sind wir bisher meist auch mit einer ganzen Menge Kritik und Beschwerden der Bewohner*innen von unseren Unterkunftsbesuchen zurückgekehrt. Trotz auch hier bestehender Kritikpunkte von unserer Seite, wie beispielsweise teils an der Ausstattung oder der möglichen maximalen Belegung von Zimmern und Unterkunft, sprechen vor allem die Aussagen der Bewohner*innen für sich. Es stimmt hoffnungsvoll zu sehen, wie sich hier Menschen die Mühe machen im Bereich der Unterbringung von Geflüchteten innovativ und auf Seite der Bewohner*innen zu denken und zu handeln.

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