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Kategorie: Fulda

Landkreis Fulda – Die Lagertour in Tann (Rhön)

Der ursprüngliche Artikel wird aktuell einer Neubewertung unterzogen.

Haus Außenperspektive
Das ehemalige Zollhaus, was nun als Geflüchteten-Unterkunt für alleinreisende junge Männer dient.



Miriam Modalal, 25.03.2017: Uns leitet der Blogeintrag eines ehemaligen Bewohners nach Tann in die Rhön. In einem Facebook-Eintrag beschreibt Abi (Name auf Wunsch geändert) die Umstände, unter denen er die ersten Monate seines Aufenthalts verbrachte. Jeden Tag drei Stunden Fahrtzeit, um den Deutschkurs besuchen zu können – im Winter sei dies wetterbedingt zum Teil unmöglich gewesen. Seine Beschreibung von Isolation und Vereinsamung, weil die Menschen Angst vor ihm und anderen Bewohner*innen zu haben scheinen, ist eindringlich.

In seiner Begleitung können wir uns schließlich selbst ein Bild vom Leben als Geflüchtete*r in Tann machen. Wir fahren eine lange Zeit durch die idyllische Rhönlandschaft, die bekannt ist für ihre schönen Bergwanderwege und ihre Heilbäder. Bald entdecken wir den im Tal liegenden und sich an den Hängen hochziehenden Luftkurort Tann. Plötzlich verlassen wir die Landstraße, als wir oben auf dem Berg, etwa 2 km vom Ort entfernt, die beiden großen grauen Klötze sichten – zwischen grünen Feldern liegen die ehemaligen Zollhäuser am Hof. Dort sind aktuell Geflüchtete untergebracht. Eins der zwei Häuser ist für junge Männer, das zweite Haus für Familien vorgesehen. Außerdem ist der Hof für seine Apfelweinkneipe bekannt, touristischer Anziehungspunkt für Wandernde, Motorsportler*innen und Radfahrer*innen.

(…)

Aufgrund der zum Teil berechtigten Kritik (s.u.) unterziehen wir den Artikel zur Zeit einer Neubewertung. Den ursprünglichen Artikel senden wir bei Interesse und auf Nachfrage zu.

 

Aus aktuellem Anlass

26.07.2017

Stellungnahme zu dem Artikel „Isolation in der Idylle“ der Projektgruppe Lagertour des Hessischen Flüchtlingsrates und der daraus entstandenen Diskussion

Am 22.7. erschien in dem Onlinemagazin Osthessen-News.de ein Artikel über den Bericht des Hessischen Flüchtlingsrates über den Besuch einer Unterkunft bei Tann. Darin heißt es u.a., der Flüchtlingsrat erhebe falsche Rassismusvorwürfe gegenüber der Tanner Bevölkerung und treffe eine Reihe weiterer falscher Aussagen. Hierzu nehmen wir wie folgt Stellung:

  • Einige der in dem Bericht der Lagertour wiedergegebenen Aussagen wurden so verstanden, als gäbe es in Tann eine allgemeine rassistische Grundstimmung. Dies war so nicht beabsichtigt und ist auch nicht der Standpunkt des Flüchtlingsrates. Zwar wurden unseren Mitarbeiterinnen Vorfälle berichtet, die von den Betroffenen als rassistisch motiviert wahrgenommen wurden, diesen Aussagen sollte durch den Bericht ein Forum gegeben werden. Damit sollte jedoch zu keinem Zeitpunkt die gesamte Tanner Bevölkerung des Rassismus bezichtigt werden, wenn dies mitunter so verstanden wurde, bedauern wir dies.
  • Einige der in dem Bericht der Lagertour verwendeten Formulierungen („Im Sommer riecht es nach Kuhfladen“) sind polemisch und anmaßend und gehören nicht in einen solchen Bericht. Hierfür möchten wir uns entschuldigen.
  • Einzelne Schilderungen einiger Bewohner wurden in den Bericht aufgenommen, ohne die darin getätigten Aussagen an anderer Stelle noch einmal zu überprüfen. Dadurch wirkt es mitunter so, als wären diese subjektiven Eindrücke objektive Tatsachen. Dies war ein handwerklicher Fehler, und wir können die Verärgerung darüber verstehen.
  • Der Bericht entstand im Rahmen der Projektgruppe Lagertour innerhalb des Flüchtlingsrates. Diese hat zum Ziel, hessenweit Flüchtlingsunterkünfte zu besuchen und den BewohnerInnen und ihren subjektiven Perspektiven Gehör zu verschaffen. Wir werden die Kritik zum Anlass nehmen, um die bisher angewandte Methodik der Lagertour auf den Prüfstand zu stellen. In diesem Rahmen werden wir auch den Artikel zu Tann einer Neubewertung unterziehen.
  • Die in dem Artikel von Osthessen-news.de zitierten direkten Aussagen hingegen sind erstens so nicht getätigt worden, zweitens hat überhaupt nie ein Gespräch mit einem Mitarbeiter der Projektgruppe stattgefunden. Es hat lediglich am vergangenen Freitag einen Anruf beim Flüchtlingsrat gegeben, der von einer Verwaltungskraft entgegengenommen wurde. Dabei gab sich die Anruferin erst am Ende des Gesprächs als Journalistin zu erkennen. Der Kollege wies mehrfach darauf hin, dass er inhaltlich nicht in die Arbeit der Projektgruppe involviert sei. Er könne zu dem Bericht inhaltlich keine Aussagen treffen. Dies wurde der Anruferin mehrfach und ausdrücklich mitgeteilt sowie ein Gespräch mit dem verantwortlichen Mitarbeiter der Gruppe am darauffolgenden Montag vereinbart. Die zuvor erfolgte Veröffentlichung des Artikels inklusive vermeintlicher Zitate ist daher äußerst irritierend und entspricht in keiner Weise den Vorstellungen des Hessischen Flüchtlingsrates.
  • Wir bedauern, dass die eigentlich beabsichtigte Grundaussage des Berichts, dass die längerfristige Unterbringung von Flüchtlingen abseits des Ortes von diesen als isolierend wahrgenommen wird, durch die Diskussion über den Artikel in den Hintergrund getreten ist. Zwar glauben wir, dass die Flüchtlinge auch in Tann mitunter rassistische Anfeindungen erleben, derartige Erfahrungen machen Flüchtlinge leider überall in Deutschland. Es war jedoch zu keinem Zeitpunkt unsere Absicht, damit eine rassistische Grundstimmung zu behaupten oder gar der gesamten Tanner Bevölkerung Rassismus zu unterstellen, noch wollten wir das vielfältige Engagement für Flüchtlinge in Tann – sowohl von Ehrenamtlichen als auch von der Verwaltung – diskreditieren.

Gez. Timmo Scherenberg
(Geschäftsführer Hessischer Flüchtlingsrat)

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